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Weltrekordfahrt 2013
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WELTREKORD
Reisedienst Schmitt durchquert 9 Länder in 24h!
Kilometerfressen mit Stil und Rekord  Neun europäische Länder in 24 Stunden mit dem Bus: Diesen bislang einzigartigen Weltrekordversuch  unternahm Reisedienst Schmitt aus Großlangheim im unterfränkischen Landkreis Kitzingen vom 16. auf den 17.  August 2013.    Oh, diese Schweizer Tunnel! Wir liegen eigentlich gut in der Zeit - trotz des starken Reiseverkehrs, der bereits die  Ortsdurchfahrt von Bregenz am Bodensee zu einer halbstündigen, zähflüssigen Stopp-and-Go-Angelegenheit werden  ließ. Jetzt, sechs Stunden später droht der Erfolg unserer Rekordfahrt von Lindau über das italienische Ponte Tresa  als Wendepunkt bis Maastricht ernsthaft in Gefahr zu geraten.  Denn vor dem einspurigen Gotthard-Straßentunnel, mit 16,9 km der drittlängste der Welt, staut sich der Verkehr auf  mehreren Kilometer Länge an den beiden aufeinanderfolgenden Ampelanlagen, die den Verkehrsfluss im Tunnel  gewährleisten sollen. Fast eine Stunde verbringt unser Lion's Coach zwischen vollgepackten Pkw, Wohnmobilen und  Lkw. Doch damit nicht genug in Sachen eidgenössischer Tunnelanlagen. Knapp zwei Stunden später heißt es erneut:  Nichts geht mehr! Denn eine der beiden Doppelspurröhren des 3,2 km langen Belchentunnels im Kanton Solothurn,  Teil der wichtigen Nord-Süd-Verbindung von Italien nach Deutschland, ist zurzeit wegen Sicherheitsarbeiten gesperrt.  Quälend lange dauert es, bis der Verkehr sich in die einzig verfügbare Spur Richtung Norden einsortiert, wertvolle Zeit  verstreicht. Der Blick der Schmitts, mit Geschäftsführer Rolf, Ehefrau und Büroleiterin Andrea sowie Sohn und  Gesellschafter Fabian an Bord, fällt ein ums andere Mal auf die vorbereitete Marschtabelle. Reicht es noch? Haben  wir genug Pufferzeit eingebaut? Wie viele von diesen ungewollten Stopps können wir uns noch erlauben?   Minutiös hat vor allem der gelernte Servicetechniker und Kfz-Meister Fabian Schmitt die ungewöhnliche Reise im  Vorfeld geplant. Die Idee dazu war bereits rund anderthalb Jahre zuvor entstanden, als der örtliche Kriegerverein  einen Bus samt Fahrer für eine Drei-Länder-Tour bei Reisedienst Schmitt angemietet hatte. Warum nicht einmal  mehrere europäische Staaten in kurzer Zeit bereisen? Der 28-Jährige war schnell Feuer und Flamme und sprach das  Projekt im Freundes- und Familienkreis durch. „Bei meinen Eltern hat es etwas Überzeugungsarbeit gekostet",  schmunzelt er. „Mutter meinte: Jetzt halten uns die Kunden für verrückt!”    Denn der grundsolide, in zweiter und dritter Generation geführte Familienbetrieb ist ansonsten eher weniger für  abenteuerliche Fahrten bekannt. Er betreibt mit sechs Reise-, drei Kombi- und drei Kleinbussen Anmietverkehre sowie gelegentliche Ausflugsfahrten z. B. zu Weihnachtsmärkten oder Dienste für Reiseagenturen, Groß-veranstalter und  Europatourneen. Außerdem werden mit vier Fahrzeugen elf Linien inklusive Schülerverkehre für DB Frankenbus  bedient, ergänzt um ein regelmäßiges Disco-Shuttle ins nahe Würzburg. Der Spaß am Beruf und die Lust, etwas  Neues und Außergewöhnliches zu unternehmen, waren für Fabian Schmitt die wichtigsten Triebfedern für die  „Europatournee" der etwas anderen Art. Gleichzeitig möchte er sie als Startschuss für den Ausbau des Reiseangebots sehen. Den Kunden soll signalisiert werden: Wir stellen nicht nur die Busse für Vereinsfahrten oder Geschäftsreisen,  sondern wenden uns mit Programmen verstärkt auch an Einzelpersonen. Zehn Abenteuerlustige konnten für den Weltrekordversuch gewonnen werden. Es war also reichlich Platz im 12 m  langen Lion's Coach, bei dem die übliche Sitzplatzzahl um zehn auf 39+1+1 reduziert worden war und dieser somit  mehr als Fünf-Sterne-Beinfreiheit bot. Ein zusätzlich für die Reise eingebauter Holztisch als Unterlage für Grill,  diverse Speisenangebote und Kuchenbüffet erhöhte den Komfort an Bord zusätzlich. Denn die Stopps sollten  schließlich auf ein Minimum beschränkt werden, um ein schnelles Vorwärtskommen zu gewährleisten. Um unliebsame Überraschungen zu vermeiden, hat die hauseigene Werkstatt vor der Reise neue Pneus und  Keilriemen am Lion's Coach aufgezogen. Die bereits von standardmäßigen 525 auf 650 l erweiterten Kraftstoffbehälter sind beim Start randvoll. Dank Großhandelspreis ist das Tanken auf dem eigenen Betriebshof ohnehin günstiger als  im europäischen Ausland, zudem vom Papierkrieg für die MwSt.-Rückerstattung befreit. Für die Mautbegleichung in  Österreich befindet sich eine GO-Box an Bord, nur im Nicht-EU-Land Schweiz müssen an der Grenze Dokumente  abgestempelt und eine Vignette erworben werden. Kurz sind dagegen die Stopps an den Zahlstellen der privaten  Mautbetreiber in Frankreich, während Busse in den Beneluxländern Luxemburg, Belgien und Niederlande von der  Eurovignettenpflicht befreit sind.  Dementsprechend locker ist bis zum Gotthardtunnel die Fahrt verlaufen. Ein kurzer Halt vis-à-vis der berühmten  Bregenzer Seebühne, ein weiterer im mediterranen Ponte Tresa am Luganersee im Schatten von Palmen bei 30°C,  dazwischen eine traumhaft schöne Alpenquerung vorbei am Vaduzer Schloss und der Via-Mala-Schlucht bei  prächtigem Sommerwetter mit Sonnenschein, blauem Himmel und nur vereinzelten Wolken im Gebirge: Das sind die  Zutaten, die die Fahrgäste sichtlich genießen - und die formidable Verpflegung u. a. mit selbstgebackenem Streusel-,  Marmor-, Sand-, Biskuit- und Käsekuchen.   Später am Tag überrascht Andrea Schmitt die Passagiere noch mit Nisperolikör - die Früchte hat sie im eigenen  Garten des spanischen Ferienhauses angebaut. Nach dem Belchentunnel rollt der Verkehr endlich wieder, wir können Zeit aufholen und uns sogar einen halb-stündigen Stopp inklusive mitgebrachter, hausgemachter Suppe an der  Raststätte Weil am Rhein unmittelbar hinter der Schweizer Grenze bei Basel erlauben. In zügiger Fahrt geht es bei  einsetzender Dunkelheit weiter über die A5, bis wir über die Europabrücke bei Kehl auf die linksrheinische,  französische Route nach Norden wechseln und bei Saarbrücken wieder auf deutsches Terrain gelangen. Jetzt, in den  Nachtstunden des beginnenden 17. Augusts, steht die letzte Etappe durch den Beneluxraum an. Um 01:35 Uhr wird  die luxemburgische Grenze erreicht, um 02:10 Uhr die belgische.   Ein Schreckmoment hält die Rekordfahrt aber noch für uns bereit, erinnert uns daran, wie schnell diese doch noch  scheitern kann. Denn urplötzlich liegt ein kompletter Motorblock auf der linken Autobahnspur, Trümmerteile eines kurz  zuvor verunglückten Autos auf dem Standstreifen. Nur gut, dass unser Fahrerteam mit Vater und Sohn Schmitt sowie  Thomas Arnert weiterhin einen fitten Eindruck macht und sich regelmäßig abwechseln kann. Spontaner Beifall brandet schließlich im Bus auf, als um 04:23 Uhr nach siebzehneinhalb Stunden und 1080 gefahrenen Kilometern seit Lindau  die niederländische Grenze bei Maastricht erreicht wird und der Rekord damit in trockenen Tüchern ist - komplett  dokumentiert für die Guinness-Buch-Juroren mittels einer Kamera im Cockpit. Jetzt geht die Reise allerdings noch  einige Stunden weiter nach Amsterdam, wo bis Sonntagmittag ein touristisches Programm mit Grachtenfahrt und  Stadtbummel auf die zufriedenen Fahrgäste wartet, bevor die Heimreise nach Großlangheim angetreten wird. Trotz  der vielen Stunden im Bus bei wenigen Stopps sind die Kommentare der Reisenden überschwänglich. „Ich bin  begeistert", sagt Gertrud Grebner, die sich als Allererste zur Tour angemeldet hatte, zum Abschluss. „Jetzt beginnt in  meinem Kopf noch einmal ein wunderschöner Film von der Reise zu laufen. Im Bus erlebt man so viel mehr als in  einem Flugzeug."   Mit dabei sind auch zwei echte „Langstreckenspezialisten". Zum einen Arthur Schmitt, der von 1967 bis 2000 als  festangestellter Fahrer für Reisedienst Schmitt in ganz Europa unterwegs war und dennoch auch auf dieser Fahrt  noch neue Eindrücke sammeln konnte, etwa von der Region um Ponte Tresa. Der gebürtige Tunesier Chahbani  Naceur ist nicht nur für sein Baudienstleistungs- und -sanierungsunternehmen in ganz Deutschland unterwegs,  sondern fährt von Großlangheim aus auch einmal im Jahr über die Alpen nach Genua, von wo er per Fähre zu seiner  Heimatinsel Djerba übersetzt. All drei sind sich sicher: Auch auf einer neuen Reise dieser Art wären sie wieder dabei.  Fabian Schmitt kann ihnen diesbezüglich Hoffnung machen: „Die Sache ist noch ausbaufähig, wir können uns noch  steigern. Bei positiver Resonanz wird es sicher eine Wiederholung in ähnlicher Weise geben." Denn mit Tschechien,  Slowenien oder Dänemark könnten noch weitere Länder in die Route eingebaut werden. Ein Traum für ihn wäre  jedoch eine Reise mit Fahrgästen nach Afrika in einem alten, unverwüstlichen Setra der 200er-Baureihe aus dem  Fuhrpark der Schmitts. Den würde er vor Ort dann für einen guten Zweck spenden, während die Passagiere per  Flieger nach Deutschland zurückkehren würden. Auf eine weitere Weltrekordfahrt aus dem Hause Schmitt darf man  also gespannt sein. Claus Bünnagel BUSMAGAZIN 11/2013